P1020633Macho-Alarm? Ein Spaziergang über die Straße kann für eine Frau in Südamerika recht anstrengend sein, wenn sie pausenlos von Männern belästigt wird. (Wie das ist, lest Ihr hier) Gar nicht aus dem Haus gehen, ist keine Option. Also müssen Strategien her, wie man die Kerle abwimmelt. Dies hier sind meine Tipps:

Tränen gelacht habe ich mit einer Chilenin, die auf nervige Avancen so reagiert: Raunt ihr ein Lustmolch “linda!” (“Schöne”) entgegen, dreht sie sich um und entgegnet trocken “ah, tu no” (“ah, Du nicht”) und macht dazu ein Gesicht, als könne sie kein Wässerchen trüben. Sie schwört auch darauf, wie ein Mann zu gehen (breitbeinig, mit schlackernden Armen und mürrischem Blick) und hat das beeindruckend perfektioniert. Ich bin da leider nicht so begabt.

Für mich funktioniert diese Technik gut: Meine liebe Freundin Silvia von missia (www.missia.de), die ein Jahr lang alleine die Welt bereist hat, hat sich bei den brasilianischen Frauen einen einfachen Trick abgeschaut, mit dem man sich renitente Männer vom Leib halten kann: Der rechte Zeigefinger wird etwa auf Brusthöhe erhoben und leicht hin und herbewegt, dazu sollte man einen stolzen, leicht verächtlichen Blick auflegen und “t, t” schnalzen. Wie eine Mutter, die ihren Knirps in die Schranken weist. Wer mag, kann das Schnalzen weglassen, nur der Blick, der sollte wirklich sitzen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass das spektakulär gut funktioniert. Allerdings ist das eine Technik, die eher für Männer geeignet ist, die einem gegenüberstehen oder körperlich auf die Pelle rücken und das ist aus meiner Erfahrung weniger in Chile, dafür eher in Argentinien notwendig.

Das mit dem Blick funktioniert nicht in Argentinien

Meine Strategie ist meist, überhaupt nicht zu reagieren, denn jede Reaktion ist oft nur Ermutigung für weitere Belästigungen und in Nullkommanix ist man in ein Gespräch verstrickt, das man gar nicht führen wollte und aus dem man nur mit Mühe wieder herauskommt. Dafür ist mir meine Zeit schlicht zu kostbar und plumpe Anmache will ich nicht auch noch mit Aufmerksamkeit belohnen. Erstaunlich wirksam in Chile ist auch ein fester selbstbewusster Blick ins Gesicht des Belästigers. Die meisten sind dann ganz schnell verunsichert und verschwinden. In Argentinien würde ich diese Technik allerdings nicht empfehlen, das geht leicht nach hinten los, weil das die Argentinier als Ermutigung interpretieren.

Das ist die sanfte Tour. Wird aber einer richtig aufdringlich – was in Chile wirklich sehr selten passiert – werde ich auch verbal deutlich, gehe aber gleich weiter. Für brisantere Fälle, also wenn jemand wirklich nicht locker lässt und extrem unangenehm wird, hat mir ein Chilene einen Spruch empfohlen, der – richtig vorgetragen – frech und sehr lustig sein kann: „Vete a jugar con caca!“ („Geh und spiel mit Kacka!“) Allerdings ist das riskant und etwas für Fortgeschrittene, weil es mit der passenden Stimmung, Betonung und einem entsprechenden Gesichtsausdruck kommuniziert werden sollte, will man seine Wirkung nicht verfehlen. Ist der Empfänger der Botschaft humorlos oder schlecht gelaunt, kann das leicht nach hinten los gehen. Zurückgewiesene Männer können schnell wütend und äußerst unangenehm werden. Wenn es irgendwie geht, vermeide ich Aggression. Auf Durchzug schalten, Humor zeigen oder giftige Blicke werfen, ist deshalb meine Strategie.

Und wie man in den Wald hinein ruft, so schallt es auch heraus: Ist jemand charmant oder witzig, kann ich mich auch darüber freuen und reagiere entsprechend. Aber eines ist mir wichtig: Ich möchte mit Respekt behandelt werden. Und „psst, pssst“ gehört sicher nicht dazu.

Was sind Eure Strategien, Eure Tipps? Ich freue mich über Kommentare!

Ein Zusatz zum Thema Tipps:
Ich bin kein Freund von Artikeln, die Tipps geben und suggerieren, das seien die einzig wirksamen Maßnahmen. Meine Tipps ziehe ich aus meinen Erfahrungen, sie funktionieren für mich gut, weil sie zu mir passen. Das heißt aber nicht, dass das für den Rest der Menschheit auch gilt. Sie sollen für Leser Anregung für eigene Strategien sein und da ich mich nicht als unangefochtene Koryphäe verstehe, freue ich mich über lebendige Diskussionen und Anregungen, wie Ihr das so macht.

Mehr im Macho-Dossier:
Wie es ist, als Frau in Chile über die Straße zu gehen – klick hier

Bald im Macho-Dossier:
Meine These, warum die Chilenen so sind
Wie das in Argentinien und Peru war

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