Südamerika. Frau allein. Blond. Vegetarierin. Warum ich es trotzdem mache:

Meine Mutter und mein Vater sind dafür verantwortlich. Denn sie haben es mir vorgemacht: 1972 sind sie sechs Monate lang durch Südamerika gereist, die Panamericana entlang.
Mit den Bildern und Geschichten, die meine Eltern von dieser Reise mitgebracht haben, bin ich aufgewachsen. Ich habe im Kinderwagen Mützen aus den Anden getragen und als Sechsjährige auf der Dialeinwand die blonden Haare meiner Mutter im bolivianischen Wind wehen sehen.

Aber vor allem habe ich den Glanz in den Augen meiner Eltern gesehen, wenn sie vom Titicacasee oder Rio de Janiero erzählten. Habe verstanden, wie wichtig diese Erinnerungen sein können, wenn der Alltag nur noch Raum für Routine lässt. Schon damals, als vor dämmrigen Bücherregalen Staubflocken wie Glühwürmchen im Projektorlicht tanzten, hatte ich den Entschluss gefasst: Das will ich auch.
Und jetzt ist die Gelegenheit da.

Aber ich wähle meine eigene Route und auch mein eigenes Ziel: Ich will wissen, wie die Menschen in Chile und Argentinien denken und ich will darüber schreiben. Und eines interessiert mich dabei besonders: Das Thema Frauen in Südamerika. Der Machismo der Latinos ist legendär und so dachte ich mit den wildesten Befürchtungen an die Reise, bin aber bei der Vorbereitung auf etwas ganz Erstaunliches gestoßen: Immer wieder waren es die Frauen, die auf die Straße gingen, in Chile und Argentinien. Ehefrauen, Mütter, Schwestern, die sich gegen die Militärdiktaturen stemmten, weil die ihre Angehörigen verschleppt haben.

Bis heute durchkämmen Frauen mit kleinen Schippen die immensen Atacama-Wüste, auf der Suche nach den Knochen ihrer Ehemänner, Brüder, Freunde. In Argentinien kämpfen die Abuelas de Plaza de Mayo (Die Großmütter vom Plaza de Mayo) bis heute dafür, dass ihre entführten Enkel ausfindig gemacht werden. Und dann gibt es da auch noch die Frauen, die während Zwangsversteigerungen in Argentinien so lange die Nationalhymne singen, bis die Veranstaltung abgebrochen werden muss. Die Kraft, der Mut und die Energie dieser Frauen faszinieren mich und deshalb möchte ich mir genauer anschauen, wie das so ist mit den starken Frauen im El Dorado des Machismo.

Rock und Rollkoffer?
Ja, ich reise mit Rollkoffer und das rockt trotzdem. Und weil ich über Frauen schreibe, passt Rock auch. So.

Wer bin ich?
Redakteurin, Kunsthistorikerin, 35 Jahre alt, aus Berlin. Jobangebote nehme ich gern unter info@rockundrollkoffer.de entgegen.