anne g 22-08 - 003Dass ich nach Südamerika reisen will, wusste ich schon als ich noch Zöpfe getragen habe. Ich bin auf Bäumen rumgeturnt und mit dem Fahrrad durch die Felder des Niederrheins gebraust. Dabei hatte ich Bilder von bolivianischen Frauen in bunten Röcken im und eine peruanische Mütze auf dem Kopf. Warum?

1972 sind meine Eltern durch Südamerika gereist, sechs Monate lang. Ihre Route war die Panamericana, von New York über Mittelamerika, Peru, Bolivien, Argentinien, Uruguay nach Brasilien. Die bolivianischen Frauen kenne ich von den Fotos meiner Eltern, die Mütze ist ein Mitbringsel.

Heute ist eine Südamerika-Reise nichts Außergewöhnliches, aber als meine Eltern ihre Sachen gepackt haben, war es ein Abenteuer. Touristen gab es in den 1970er nur wenige in Südamerika, in der peruanischen Inkastadt Machu Picchu waren die beiden damals alleine – heute stiefeln täglich bis zu 2500 Touristen durch die Ruinen. Wo meine Eltern 1972 aufgetaucht sind, sind sie aufgefallen, besonders meine Mutter mit ihren blonden Haaren: In den Dörfern hatten viele Einwohner nie zuvor Europäer gesehen und wenn sie über die Straße lief, kam es vor, dass sich die Menschen um sie drängten, weil sie ihr Haar anfassen wollten.

Die Dias, die sie von dieser Reise mitgebracht haben, haben sich tief in meinen Kopf gegraben. Warum ich jetzt selbst nach Südamerika aufbreche, erkläre ich hier und eine kleine Auswahl der Fotos meiner Eltern gibt es hier: